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Selbstständige: Steuerliche Absetzbarkeit der Fahrten zum Kunden - GULP

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Zunächst für Angestellte:
Regelmäßige Arbeitsstätte im Sinne des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG ist jede ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, welcher der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich, sondern fortdauernd und immer wieder aufsucht. Das ist im Normalfall der Betrieb des Arbeitgebers oder eine Filiale.

Der BFH hat Mitte 2009 entgegen der (bisherigen) Auffassung der Finanzverwaltung entschieden, dass die betriebliche Einrichtung eines Kunden des Arbeitgebers keine regelmäßige Arbeitsstätte darstellt, und zwar auch dann nicht, wenn ein Arbeitnehmer bei einem Kunden des Arbeitgebers längerfristig eingesetzt ist ( BFH, Urteil von 09.07.2009 - VI R 21/08, BStBl 2009 II, Seiten 818 und 822). Das heißt, arbeitet ein Arbeitnehmer nicht direkt im Unternehmen seines Arbeitgebers, sondern bei dessen Kunden an einem anderen Ort, so hat der Arbeitnehmer dort keine regelmäßige Arbeitsstätte. Fahrten dorthin kann er somit nach der Reisekostenregelung geltend machen.

Der BFH begründet seine Entscheidung so: Bei Auswärtstätigkeiten liege keine auf Dauer und Nachhaltigkeit angelegte regelmäßige Arbeitsstätte vor. Ein auswärts Tätiger habe typischerweise nicht die Möglichkeit, seine Wegekosten z. B. durch Bildung von Fahrgemeinschaften gering zu halten. Insbesondere scheide ein Familienumzug an die Tätigkeitsstätte aus. Auch das Bundesministerium der Finanzen äußerte sich in einem Schreiben an die Obersten Finanzbehörden der Länder entsprechend.

Mögliche Argumente für Selbstständige:
"Die Betriebsstätte ist immer dort, wo Selbstständige den Mittelpunkt ihrer Arbeit haben. Das ist in aller Regel der eigene Betrieb, das eigene Büro (...) – egal ob es sich in der eigenen Wohnung oder anderswo befindet. Diese Regel gilt so lange, wie Selbstständige dort überwiegend arbeiten oder von dort zu wechselnden Kunden oder Arbeitsstätten fahren", schreibt Mediafon, die ver.di-Beratung für Selbstständige, im Online-Ratgeber.

Freiberufler können sich auf das oben genannte Urteil berufen und als Schlussfolgerung daraus argumentieren, dass der Betrieb des Kunden keine Betriebsstätte (regelmäßige Arbeitsstätte) darstellt, sondern es sich um eine vorübergehende Auswärtstätigkeit handelt. Eine Auswärtstätigkeit ist vorübergehend, kann argumentiert werden, wenn der Freiberufler voraussichtlich an seine regelmäßige Arbeitsstätte (sein eigenes Büro) zurückkehren und dort seine berufliche Tätigkeit fortsetzen wird.

Für einen Selbstständigen wären nach dieser Argumentation für Fahrten zum Kunden die tatsächlichen Kosten in voller Höhe steuerlich abzugsfähig (und nicht nur die Entfernungspauschale). Alle seine Aufwendungen sind nach Reisekostengrundsätzen zu behandeln. Sollte das Finanzamt bei Fahrten eines Freiberuflers von Zuhause zum Kunden von Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte ausgehen, kann es sich lohnen, mit Verweis auf die oben zitierte BFH-Rechtsprechung gegen den Bescheid Einspruch einlegen.

Das gilt auch bei doppelter Haushaltsführung – auch die Fahrten von der Zweitwohnung zum Kunden und zurück sowie sämtliche Zwischenheimfahrten können als Reisekosten steuerlich geltend gemacht werden – wenn der Selbstständige weder beim Kunden noch in der Zweitwohnung eine Betriebsstätte hat. Fahrten zwischen zwei Betriebsstätten sind immer nach der Entfernungspauschale abzurechnen. Fährt der Freiberufler vom häuslichen Arbeitszimmer als regelmäßiger Arbeitsstätte zu einer anderen regelmäßigen Arbeitsstätte beim Kunden, gilt die Pauschale.