GrabDuck

Update: Als Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen? - GULP

:

Ob es sich lohnt, weiter in die gesetzliche Altersvorsorge einzuzahlen, hängt vor allem davon ab, welche Ansprüche der Selbstständige bereits erworben hat und welche er noch erwerben wird. Vorweg: Jeder hat seine individuelle Versicherungsgeschichte. Deswegen ist es auch immer eine individuelle Entscheidung, ob es sich lohnt, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Ihre letzte Rentenauskunft sollten Sie also auf jeden Fall zur Hand haben, wenn Sie Ihre Entscheidung treffen.

1. Altersrente

Ein Anspruch auf Altersrente besteht überhaupt erst dann, wenn Sie fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Stehen Sie kurz davor, kann es sich lohnen, die fünf Jahre „voll zu machen“. Dabei erhöht in der Theorie jeder eingezahlte Beitrag natürlich den Rentenanspruch. Auf die Rendite werden wir aber noch mal zu sprechen kommen.

2. Anspruch auf Erwerbsminderungsleistungen

Rentenberater Johann Walter, der in München und Zürich zum Thema Sozialversicherungen berät, hat uns zum Beispiel folgenden Vorteil genannt: Mit Hilfe der freiwilligen Beiträge ist es möglich, sich den Erwerbsminderungsschutz aufrecht zu erhalten.

  • Wer vor 1984 bereits fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat und
  • wessen rentenrechtliche Zeit seitdem keine Lücken aufweist (z.B. Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Mutterschutz etc. zählen zur rentenrechtlichen Zeit),
  • dem ist es anzuraten, den Mindestbeitrag weiterhin in die Rentenversicherung einzuzahlen, um sich den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente aufrecht zu erhalten.

„Ohne weitere freiwillige Beiträge würden Ihre damit verbundenen Ansprüche verfallen. Solange Sie allerdings weiter Beiträge einzahlen, bleibt ihr Anspruch auf Erwerbsminderungsleistungen bestehen“, so Walter. Dabei darf keine Lücke entstehen. Der Mindestbeitrag reicht, um sich den Anspruch aufrecht zu erhalten, denn der Vorteil besteht unabhängig von der Beitragshöhe.

Auch wenn die staatlichen Leistungen im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht hoch sind: Unternehmer, die wegen einer Vorerkrankung keine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können, stehen nach einer Erkrankung oder einem Unfall wenigstens nicht ganz mit leeren Händen da, wenn sie weiter freiwillig Beiträge in die GRV eingezahlt haben.

Wer vor 02.01.1961 geboren ist und bisher ununterbrochen in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, hat außerdem noch Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente bei Krankheit oder Behinderung. Diese beläuft sich auf 50 Prozent der vollen Erwerbsminderungsrente und wird zusätzlich zu dieser gezahlt. Auch das sollten Sie prüfen.

3. Wartezeit für vorzeitige Altersrente: 35 oder 45 Jahre

Außerdem sollten Sie laut Johann Walter checken: Wie viele Beitragsjahre fehlen Ihnen noch, bis Sie die Wartezeit für vorzeitige Altersrente erreicht haben?

Eine Grenze sind 35 Jahre: Wenn Sie zum Beispiel 1955 geboren sind und 35 Versicherungsjahre voll haben, können Sie bereits mit 63 Jahren in Rente gehen. Wer feststellt, dass ihm dazu nur noch ein oder zwei Jahre fehlen, sollte freiwillig den Mindestbeitrag weiterzahlen. Zu den 35 Jahren werden alle Versicherungszeiten gezählt (also unter anderem auch Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder eben freiwillige Beiträge).

Weitere Vorteile gibt es für Versicherte mit 45 Beitragsjahren: Sie können abhängig vom Geburtsjahr ohne Abschlag mit 63 in Rente gehen. Hierzu zählen Pflichtbeiträge, Kinderberücksichtigungszeiten, Arbeitslosigkeitszeiten, Krankheitszeiten und grundsätzlich auch freiwillige Beiträge. Freiwillige Beiträge werden nur mitgerechnet, wenn mindestens 18 Jahre an Pflichtbeitragszeiten vorhanden sind und diese nicht 2 Jahre vor dem Rentenbeginn bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit liegen. Hierzu sollte man sich frühzeitig beraten lassen.

4. Anspruch auf Rehabilitationsleistungen

Besonders für privat Krankenversicherte wichtig, so Berater Walter: Ab 15 Beitragsjahren in der GRV stehen Ihnen Rehabilitationsleistungen und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu. Das heißt, Sie können zum Beispiel auf Kosten der Rentenversicherung auf Kur gehen. Wenn Sie diese 15 Jahre noch nicht erreicht haben, ist es ebenfalls in der Regel sinnvoll, freiwillig den Mindestbeitrag weiter zu zahlen. Diesen Vorteil nannte uns neben Walter auch der Dresdner Rentenberater Christian Lindner, der sich unter anderem auf Selbstständige spezialisiert hat.

5. Vom Kapitalmarkt unabhängig

In Lindners Augen ist die GRV außerdem eine „vom Kapitalmarkt unabhängige, sichere und zuverlässig planbare Altersvorsorge“. Außerdem sei die hohe steuerliche Absetzbarkeit als Beitragsleistung zur Basissicherung (analog Rürup) zu sehen.

Ein IT-/Engineering-Freelancer im GULP Forum meinte dazu: „Generell ist die Rendite in diesen Tagen auch nicht schlecht. Bedenken sollte man auch, dass in der Vergangenheit die Rentenzahlung jede Währungsreform etc. überstanden hat. Bei z.B. Lebensversicherungen wäre ich mir da nicht so sicher“. Vergleichen lohnt sich.